FAQ für de.rec.musik.machen: Wer oder was ist ein „Generalbass“?

Wer oder was ist ein „Generalbass“?

Die Funktion des Generalbasses (auch „Continuo“ genannt) entspricht – grob gesagt – dem einer Rhythmusgitarre in einer Rockband; Aufgabe des Generalbasses ist in erster Linie eine Art „harmonische“ Stütze bzw. Ergänzung. Eine große Rolle spielt er vor allem in der Barockmusik (Schütz, Bach), ist aber auch noch in der Frühklassik (Mozart) gebräuchlich.

Gespielt wird er auf einem beliebigen Instrument, welches Harmonien darstellen kann – das sind i.d.R. und üblicherweise natürlich die Tasteninstrumente (Orgel, Cembalo), es können aber auch durchaus Saiteninstrumente wie Laute oder Gitarre sein!

Aus rein praktischen Gründen – früher gab es halt noch keine Kopierer oder Computer :-) – hat sich für den Generalbass eine eigene „Kürzelsprache“ entwickelt, die mit den Akkordsymbolen vergleichbar ist. Da die Barockmusik die Harmonien immer vom Bass ausgehend definiert (sic!) anlehnt, besteht der normale Generalbass zunächst nur aus der eigentlichen Baßlinie (die i.d.R. von anderen Baßinstrumenten wie Cello, Kontrabass oder Fagott mitgespielt wird) sowie verschiedenen Ziffern unter bzw. über den einzelnen Baßtönen, aus denen sich die allerdings die verlangte Harmonie eindeutig ergibt.

Ausgegangen wird bei der Bezifferung zunächst von den leitereigenen Tönen der Grundtonart des Stückes:

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, einzelne Töne durch durstreichen bzw. einem „#“ zu erhöhen bzw. durch ein „b“ zu erniedrigen.

Auch wenn diese Methode der Notation aus heutiger Sicht sehr kompliziert und unpraktisch erscheint, macht das System im Kontext durchaus Sinn! Im Gegensatz zu heute dachte man damals nicht in resultierenden Harmonien („Funktionstheorie“), sondern in „Tonleiterstufen“ („Stufentheorie“).

Auch wenn das Generalbasspiel – entsprechende Kenntnisse vorrausgesetzt – recht einfach(!) zu erlernen ist, gibt es mittlerweile quasi zu den meisten Werken ausgesetzte (= ausnotierte) Ausgaben. Diese Aussetzungen sind unter dem künstlerischen Aspekt allerdings immer zu hinterfragen, zumal eine Aussetzung auch immer gleichzeitig eine Interpretation ist! Auch wenn z.B. die Stimmführungsregeln (Quintparallellen vermeiden, etc.) beachtet werden sollen, hat der Generalbasspieler doch sehr, sehr viele Freiheiten zur Gestaltung seines Parts.

Für den Ausführenden selbst gibt es aber noch eine Parallele zur Rhythmusgitarre: Auch der Generalbass wird – zumindest in größeren Besetzungen – vom Zuhörer kaum bewusst wahrgenommen. Es fällt nur auf, wenn er ganz fehlt oder wenn man sich mal verspielt ...