FAQ für de.rec.musik.machen: Wie war das noch mit dem „absoluten Gehör“?

Wie war das noch mit dem „absoluten Gehör“?

Man unterscheidet grundsätzlich erstmal zwischen „absolutem“ und „relativem“ Gehör. „Absoluthörer“ können Töne anhand ihrer tatsächlichen Tonhöhe einordnen, während „Relativhörer“ einen Referenzton brauchen und sich dann anhand der Intervalle „weiterhangeln“.

Entgegen landläufiger Meinung ist das absolute Gehör allerdings keine notwendige Eigenschaft bzw. Garantie für einen guten Musiker und sehr oft auch einfach nur hinderlich!

Absoluthörer hören nämlich tatsächlich nur einzelne Töne bzw. Akkorde, aber nicht deren Zusammenhänge (z.B. C-F-G-C), während Relativhörer zwangsweise eher in Tonverhältnissen (Tonika-Subdominante-Dominate-Tonika) und damit funktionaler denken.

Absoluthörer, die nie das relative Hören gelernt haben, sind spätestens dann aufgeschmissen, wenn es z.B. um das transponierte Musizieren (historische Aufführungspraxis) geht oder z.B. ein Chor schlichtweg einfach mal gesackt ist.

Es gibt kaum wissenschaftliche Literatur oder Erkenntnisse über das absolute Gehör – es kann sowohl angeboren, als auch angelernt sein. Man kann es sogar trainieren! Es gibt auch diverse Zwischenformen: So ist z.B. bekannt, daß Gitarristen und Streicher sehr gut ihre „leere Saiten“ absolut hören können, alle anderen Töne dazwischen allerdings nicht.

Bei anderen wiederum ist das absolute Gehör tagesformabhängig oder auf überschaubare tonale Zusammenhänge beschränkt… Zumindest ist das absolute Gehör nur wirklich von Vorteil, wenn man auch relativ Hören kann!