Wer oder was ist die „wohltemperierte Stimmung“?
Wir bewegen uns in einem sog. „offenen“ Tonsystem, was in der Praxis notwendigerweise eine gezielte „Verstimmung“(!) unserer Instrumente zur Folge hat. Wieso das so ist sowie weitere Details zu diesem doch zugegebendermaßen sehr komplexen Thema finden sich unter: http://members.aol.com/ReinerJank/tempe-te.htm
Der Begriff selbst dürfte wohl auf „Das wohltemperierte Klavier“ von J. S. Bach zurückzuführen sein – er war der erste Komponist überhaupt, der in diesem Werk tatsächlich alle 24 möglichen Tonarten benutzt hat bzw. benutzen konnte!
Allerdings ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, daß mit „wohltemperiert“ die heute übliche Stimmung gemeint ist – die ist nämlich in der Regel „gleichstufig“ und hat keine Tonart-Charakteristika, wie es zu Bachs Zeiten noch üblich war.
Allerdings geht – zumindest bei den Tasteninstrumenten – der Trend doch wieder von der gleichstufigen Stimmung weg. Orgeln stimmt man z.B. heute in „Zwischenformen“ (was der „reinen“ Obertonreihe entgegenkommt, die bei dem Instrument eine immens wichtige Rolle spielt!); bei Flügeln verwendet man eine Art „Spreizstimmung“ – die hohen Töne werden etwas höher, die tiefen etwas tiefer gestimmt, um dem Instrument die klangliche „Brillanz“ zu erhalten.
Die Frage nach dem „Stimmungssystem“ spielt allerdings nur bei ausgeprochenen Akkordinstrumenten eine Rolle – bei fast allen Melodieinstrumenten kann man durch die Spieltechnik die Intonation in dem nötigen Rahmen beeinflussen, um eine absolut reine Stimmung herzustellen – was die meisten Spieler übrigens auch instinktiv machen.