FAQ für de.rec.musik.machen: Wie schaut's mit den Optionstönen bei II-V-Ketten aus?

Wie schaut's mit den Optionstönen bei II-V-Ketten aus?

Malte Rogacki schrieb am 24.5. (Quoting von Martin Dilling):

>> Gegeben sei folgende Akkordfolge
>> III-VI7-IIm7-V7, wie sie häufig, z. B. in "All Of Me" in folgender Form
>> vorkommt:
>> Em7 A7 Dm7 G7 C.
>>
>> Dm7 und G7 sind ja eine ganz normale II-V-Verbindung in C-Dur und enthalten
>> die entsprechenden Optionstöne (Dm7/9 G7/9/13).
>> Als was muss man aber die beiden Akkorde Em7-A7 betrachten?
>
> Wie man möchte. Es gibt hier keine festen Regeln; und nach der
> Betrachtung richtet sich dann auch das zu benutzende Material.
>
>> Als II-V-Verbindung eines temporären tonalen Zentrums D-Dur?
>
> Kann man machen. Dann kriegen wir als Voicing A7/9/13
>
>> Oder kann man es so auffassen, dass der A7 einen Mollakkord (Dm7)
>> ansteuert und deshalb z.B. die alterierte Skala zugeordnet bekommt?
>> (Dann müsste aber der Em7 wahrscheinlich ein Em7/b5 sein...)
>
> Kann man auch so machen (aber ohne den halbverminderten). Dann kriegen
> wir als Voicing A7/b9/b13.
>
>> Oder muss man Em7 als phrygisch spielen und beim A7 einfach die große
>> Terz anstatt der auf dieser Stufe heimischen kleinen Terz spielen?
>
> Auch das geht. Dann wäre das komplette Voicing also A7/9/b13
>
>> Welche Optionen darf man dann auf dem A7 verwenden? Soll man - vom
>> notwendigen cis als große Terz einmal abgesehen - im Tonvorrat von
>> C-ionisch bleiben, also den Akkord z. B. mit einem f (b13)anreichern?
>
> Auch das ist möglich.
>
> Es kommt halt darauf an, was für einen klanglichen Eindruck man erzielen
> will. Betrachte ich das ganz als II-V nach D-Dur (und verwende das
> entsprechende Material), kriege ich sehr schön sequenzielle Dinge
> zustande. Spiele ich über A7 (als V nach Dm) die HM5-Skale (oder
> alteriert), zieht es das ganze stark nach moll.
> Ich würde das ganze ja so sehen, daß wir uns im C-Dur-Bereich befinden
> und einfach A7 statt Am7 eingeschoben wurde, um eine stärkere
> Leitwirkung zum Dm7 zu erzielen. Diese Leitwirkung ergibt sich natürlich
> insbesondere auch über die b9/b13.

Kleine Anmerkung:

Die II-V Verbindung ist keine Erfindung des Jazz und auch schon in der frühen Barockmusik üblich und nachweisbar - zu Zeiten Bachs sogar mit den Optionstönen 9 und 13 ...