Warum werden Blech-/Holzbläser in anderen Tonarten notiert?
Josef Steuer schrieb dazu am 07.05.02 (Quoting von Johannes M. Richter):
>> Dass Saxophone anders gestimmt sind, weiss ich inzwischen schon (d.h.
>> musste ich selber leidvoll erfahren;)
>> - aber wieso ist das eigentlich so? Hat das irgendeinen Sinn? Meiner
>> (zugegebenermassen masslos bescheidenen) Erfahrung nach ist's nur
>> unpraktisch.. und da das Sax im Gegensatz zu den meisten anderen
>> Instrumenten ja ein "erfundenes" ist, wundert es mich umso mehr, dass
>> da so ein "Fehler" eingebaut wurde...
>
> Tja, das ist kein "Fehler".
> Saxophone wurden absichtlich in B und Es gestimmt.
> Das kommt von der ganz speziellen verwendung.
> Zum ersten hat man für Sopran, Alt, Tenor, Bariton nur Abstände
> von Quinten oder Quarten in der Stimmung. (Was ausschliesst, daß sie alle in C sind)
> und zum anderen wird das Saxophon hauptsächlich in der Big-Band und Blasmusik
> verwendet und da sind fast alle anderen Instrumente auch in B, weshalb IMHO
> die Grundstimmung B gewählt wurde. Die Grundstimmung Es ergibt sich dann eben
> aus dem Intervallabstand zwischen den Stimmen Sopran/Alt oder Tenor/Bariton.
Das Problem „transponierende Instrumente“ ist eigentlich ein Relikt aus der Barockzeit (bzw. noch früher) und hängt mit den unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Instrumente zusammen.
Es gibt z.B. Trompeten in B, C, D und Es, Saxophone in Es oder B, Hörner in F,G und C, Klarinetten in C und B - alles verschiedene Instrumente einer Gattung, die aber ein entsprechender Musiker auch durchaus spielen könnte. Die verschiedenen Stimmungen waren nötig, weil das Drehventil erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden wurde und zumindest Trompeten daher nur die sogenannten „Naturtöne“ spielen konnten.
Daher werden diese Instrumente so notiert, daß das notierte C immer mit dem Stimmungsgrundton identisch ist; der Musiker kann also alle Stimmungen und Abarten spielen, ohne die entsprechenden Griffe neu lernen zu müssen! (Davon ab, daß die Notation für den Komponisten einfacher war)
Tiefe Blechblasinstrumente wie Posaunen oder Tuba (in B,C,Es oder F) werden übrigens i.d.R. NICHT transponiert notiert. Das hängt aber damit zusammen, daß diese erst deutlich später zum Orchester hinzugestoßen sind.