FAQ für de.rec.musik.machen: Die gute Akustik oder: Wie bekomme ich einen Raum in den Griff?

Die gute Akustik oder: Wie bekomme ich einen Raum in den Griff?

Räume, in denen Töne bearbeitet werden oder in denen gesungen oder gesprochen wird, sollten über einen linearen Frequenzgang und eine nicht zu lange Nachhallzeit verfügen. Sie dürfen aber auch nicht zu trocken sein. Da vorhandene Räume diese Voraussetzungen in der Regel nicht erfüllen und den meisten Anwendern die Planung durch Akustik-Ingenieurbüros und die Ausführung durch Spezialfirmen zu teuer ist, gibt es hier ein paar Tipps, wie man Räume mit einem bißchen Grundwissen auch selbst in den Griff bekommen kann.

In jedem Fall muss man sich Lösungen überlegen, bei denen man absorbierende und reflektierende Flächen gleichmäßig an den Raumbegrenzungsflächen verteilt. Dabei gilt: Kleine Räume machen große Probleme und große Räume machen kleine Probleme. Denn während man mit porösen Absorbern nur die mittleren und hohen Frequenzen in den Griff bekommt, muss man immer auch an die Eliminierung der tiefen Anteile denken, die sonst dieses unangenehme Dröhnen verursachen. Dafür braucht man Plattenschwinger.

Aufbau von Plattenschwingern gegen das Dröhnen:

Kleine massive Räume (also Räume mit einem Volumen bis 150 Kubikmeter) neigen zum Dröhnen. Meist zwischen 80 und 120 Hz. Dagegen helfen Plattenschwinger. Man schraubt eine Lattung (Kantholz 6 x 6 cm) an die Wand, und zwar so, dass man dünne HDF-Platten (3 mm stark) mit Flächen zwischen 0,7 und 1,2 Quadratmetern draufsetzen kann. Also rundherum dicht abschließend, aber eben nur als Rahmen befestigen, damit die Platten mit ihrer Fläche schwingen können. Drinnen sollte ein bißchen Absorptionsmaterial eingelegt sein. Dann wirkt die Platte als Resonator und die eingeschlossene Luft als Feder. Im Bereich der Resonanzfrequenz entzieht dieser Resonator dem Schallfeld sehr viel Energie. Bei den von mir eben genannten Maßen hat man die relevanten Frequenzbereiche sicher abgedeckt.

Wenn man davon einige Teile im Raum verteilt (mehr in den Kantenbereichen, nicht mittendrin, weil in den Ecken die Schwingungsmaxima auftreten), dann hat man schon mal keine Probleme mehr mit dem Dröhnen. Das IBP (Fraunhofer-Institut für Bauphysik) bietet solche Sachen auch fertig unter der Bezeichnung „Alfa-Module“ an. „Alfa“ steht für „Alternative faserfreie Absorber“. Sind aber recht teuer. Wenn die Räume aus Leichtbauwänden sind, dann dröhnt da von Hause aus nichts und man kann gleich zum nächsten Punkt gehen.

Aber noch als wichtige Ergänzung: Wann immer es sich einrichten läßt, sollten zwei der vier Wände ein bißchen aus dem rechten Winkel herausgedreht werden, damit es keine stehenden Wellen (Flatterechos) gibt. Also parallele Wände vermeiden, da reichen schon ein paar Zentimeter. Läßt sich gut in Leichtbauweise machen, und da kann man dann auch gleich die Resonatoren (Plattenschwinger) integrieren. Der Rest aus dem nächsten Absatz kommt dann davor als nächste Schicht.

Aufbau von porösen Absorbern:

Nun haben wir die tiefen Anteile im Griff und müssen uns noch Gedanken um den Rest machen. Und dafür setzt man eben poröse Absorber ein, die mit einer gelochten oder geschlitzten Abdeckung versehen werden. Als Absorber eignet sich zum Beispiel alles, was es an Mineralwolle für die Wärmedämmung gibt. Dann muss aber immer an einen Rieselschutz gedacht werden, damit keine Fasern in die Raumluft gelangen. Wer es faserfrei möchte, so wie ich, der setzt Basotect-Platten ein. Das ist ein Melaminharz-Schaumstoff aus der Automobilindustrie, der zum Beispiel von Illbruck unter dem Namen „Illsonic“ und von Wilhelmy unter dem Namen „Fomakust“ vertrieben wird. Aber es gibt ihn auch direkt bei den Aufschäumern, zum Beispiel bei Molan in Bremen. Stärken von 3 oder 4 cm reichen normalerweise vollkommen aus.

Und was nimmt man zum Verkleiden? Es gibt eine ganze Reihe von Herstellern, die da verschiedene Produkte anbieten. Gelochte oder geschlitzte Platten aus Metall, Holz, Gipskarton. Oder eine Bespannung mit Stoff, so wie in den Kinos. Lochblech-Elemente von der Lindner AG wurden zum Beispiel in großen Mengen im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin verbaut – und in kleineren Mengen bei Matthias Köhler. :-)

Die furnierten Schlitzplatten von ESO-Akustik Schmälzle aus dem Schwarzwald findet man in fast jedem Hörfunk-Studio, die Gipskartonlochplatten von Knauf und Rigips eignen sich vor allem für die Decke. In jedem Fall ist eine stabile Lattung nötig.

Und immer daran denken: Es darf nicht alles absorbieren, man muss also immer die Möglichkeit haben, Platten mal kurz abzunehmen, um dahinter z.B. einen Papierbogen zu kleben, damit Teile der Lochung unwirksam werden. Das sieht man nicht und sorgt für genügend Reflexion im höheren Bereich, damit es eben nicht zu dumpf wird.

Wer einen ausreichend tragfähigen Untergrund hat, der kann auch Lochsteine (mit Lochfläche sichtbar) vermauern, so wie ich es in meinem Schnittstudio gemacht habe. Dahinter sind dann eben wieder die absorbierenden Basotect-Platten und einige Plattenschwinger. Und weil man da von hinten nicht mehr rankommt, habe ich anschließend einige Polycarbonat-Scheiben mit etwas Abstand angebracht. Sieht gut aus, jeder fragt, wofür die sind, und sie sorgen dann wieder für ein bißchen mehr Reflexion gegen die Dumpfheit.

Studio-Fenster:

Sind sehr aufwendig und teuer. Also verzichten, so weit es geht. Und wenn doch: Keine parallelen Scheiben, sondern jeweils etwas nach unten anklappen.

Schallschutz:

Bisher ging es ja nur um die Akustik innerhalb des Raumes. Wer zudem auch noch Probleme mit Lärm von außen hat, der muss mit einer Haus-in-Haus Konstruktion für Abhilfe sorgen. Also eine zweite Innenschale mit doppelten Fenstern, doppelten Türen und so weiter. Ist im Keller meist nicht nötig, geht nötigenfalls auch in Leichtbauweise. Am besten natürlich zwei richtig massive Schalen, dann kommt nichts mehr durch.

Fazit:

Mit diesen Tipps ist es möglich, sich Räume zu bauen, deren Akustik durchaus auf öffentlich-rechtlichem Niveau ist. Dann hat man ideale Voraussetzungen für gute Mischungen, für gute Sprach- und Musikaufnahmen. Die Nachhallzeit für Sprache und in Regieräumen darf ruhig recht kurz sein, für die Aufnahme von U-Musik sind eher kurze Nachhallzeiten auch in Ordnung. Aber für Gesangs- und E-Musik-Aufnahmen müssen die Räume schon größer sein, weil die Künstler sonst nicht gut sein können. Wer also Aufnahmen mit Kammerorchester machen möchte, wird vielleicht gerade noch mit Bordmitteln (Räume um die 50 bis 100 Quadratmeter) auskommen. Aber einen ganzen Chor oder gar ein Sinfonieorchester müßte man dann wohl doch in ein angemietetes sehr großes Studio oder einen Konzertsaal verfrachten. Wobei sich beim Chor auch immer noch die eine oder andere Kirche anbietet.

Als Zusammenfassung:

  1. Keine genau parallelen Wände
  2. Plattenschwinger gegen das Dröhnen im tieffrequenten Bereich
  3. Poröse Absorber gegen die mittleren und hohen Frequenzanteile
  4. Akustisch durchlässige Abdeckungen nach eigenem Geschmack und Geldbeutel
  5. Genügend reflektierende Flächen lassen, damit es nicht zu dumpf wird

Wer sich mit Raumakustik beschäftigen möchte, der sollte sich ruhig angewöhnen, jede Gelegenheit zu nutzen, in akustisch gut ausgebaute Räume zu gehen und die Wände ein bißchen „anzusprechen“. Dann bekommt man sehr schnell einen Eindruck davon, wie absorbierende und reflektierende Flächen im Raum verteilt sind.