Was sollte ein Mischpult für den Proberaum und gelegentlichen Live-Einsatz können?
Auch zu diesem Thema gibt es durchaus verschiedene Meinungen. Frag drei Leute und Du bekommst vier Antworten.
Den einen reicht ein kleiner Powermixer mit 8 Kanälen (und zwei 12"er Böxlis, hallo Achim …), anderen Zeitgenossen faulen die Finger ab, wenn sie irgendwas unterhalb einer Heritage 3000 anfassen müssen.
Im Endeffekt richten sich Ausstattung und Qualität natürlich nach den Anforderungen der eigenen Band, durch diese Faktoren wird dann der anzulegende Betrag ermittelt.
Generell gilt: Kaufe das, was für den zur Verfügung stehenden Betrag die beste Leistung und Qualität bietet.
Folgende Punkte, die ich für wichtig halte, sollen als allgemeine Richtschnur bei der Auswahl des passenden Pultes helfen:
Stabilität
Laufen die Fader und Potis sauber und ohne zu hakeln? Lässt sich die Frontplatte durch Daumendruck verformen?
Mic Preamps
Das Beste ist hier gerade gut genug, solange es im Budget liegt.
Übersicht
Was bringt das beste Pult, wenn man mit den dicken Wurstfingern gleich drei Potis auf einmal verdreht oder den Mute-Button nicht auf Anhieb finden kann? Diesbezüglich kann ich von Mackie nur abraten :-)
Kanal-EQs
Low- und High-Shelf hat eh jedes Pult, wichtig ist, dass es mindestens ein, besser zwei (semi-)parametrische Mittenbänder gibt.
Insbesondere, wenn kein anständiger EQ für die Front zur Verfügung steht, ist ein zweites durchstimmbares Mittenband Gold wert.
Negativ fallen leider einige Soundcraft Konsolen auf, deren unteres Mittenband teilweise nur bis 400Hz hinunter reicht – deutlich zu hoch, um akustischen Matsch aus Gitarren und Vocals zu entfernen oder eine Bassdrum anständig zu tunen.
Nicht unbedingt notwendig, aber in einigen Situationen durchaus sinnvoll:
Phase-Reverse
180° Phasendrehung am Eingang
Low Cut
sollte bei ca. 100Hz arbeiten und ist eigentlich auf allen Kanälen außer Bassdrum, Bass und Keys sinnvoll.
Will man mit dem Pult auch häufiger live arbeiten, ist ein Insert pro Kanal sowie in jeder Subgruppe und im Master sinnvoll, um dort z.B. Compressor/Gate (Vocals, Drums, Gitarren …) oder EQs (Monitorwege) einschleifen zu können.
Weiterhin sinnvoll: Mindestens 4 Aux-Wege, möglichst einzeln oder gruppenweise pre/post schaltbar. Zwei davon gehen meist für Monitorwege drauf (pre), weitere 1-2 Wege braucht's für Effekte (post).
Bei einigen Konsolen lassen sich die Auxe und Gruppenfader tauschen, so dass man die Auxe (Monitorwege) auf Fadern statt Potis liegen hat, außerdem sind die Ausgänge dann meist auf symmetrische XLRs geführt, so dass man sie direkt über das Multicore zur Bühne leiten kann.
Interne Effektgeräte können gerade bei Powermixern für die kleine Kapelle sinnvoll sein, wenn man nicht viel Outboard mitschleppen will oder nur maximal einen Hall für die Vocals braucht. Ich persönlich bevorzuge externe Prozessoren, die meist deutlich flexibler und hochwertiger sind. Das ART Multiverb III z.B. gibt es gebraucht teilweise deutlich unter 70,- EUR. Rauscht zwar ein wenig, kann aber alles, was man von einem brauchbaren Multieffekt erwarten würde.
Ach ja: 100mm Fader sind Dein Freund, wenn man halbwegs nett arbeiten möchte.
Empfehlungen der unteren und mittleren Preisklasse mit Pros und Cons:
Allen & Heath:
Prinzipiell alles blind kaufbar. Ob WZ, PA oder GL Serie, alle verfügen über praxisgerechte Ausstattung, sind übersichtlich, stabil und klingen gut. Die in der PA und WZ Serie verbauten internen Effekte reichen meist aus.
Behringer:
Schon immer als Rauschgeneratoren verschrien, findet man sie trotzdem bei vielen Bands im Proberaum oder auf kleinen Bühnen.
Wer ein sehr enges Budget hat, wird hier vermutlich fündig. Ich selbst hatte ein MX2442A der neuen Serie, das leider über hakelige und kratzig laufende Fader verfügte, jeder Kanal klang anders und die Klangregelung war etwas abenteuerlich. Aber auch damit habe ich einige gute Gigs abgeliefert.
Die UB-Modelle scheinen nicht all zu toll zu klingen, die internen Effekte sind IMHO nicht brauchbar.
Soundcraft:
Viel gutes Zeugs, aber in einigen Serien nicht sonderlich praxisgerecht. Achtet darauf, dass die unteren Mittenbänder weit genug nach unten gehen und die Ausgänge der Subgruppen auf XLR liegen. Sound sehr angenehm, meist gute Preamps.
Mackie:
Sehr polarisierendes Zeugs. Die einen lieben es, die anderen (ich z.B.) kommen damit überhaupt nicht klar. Die Klangregelung ist bei einigen Modellen etwas merkwürdig (Mitten oben, Low- und High-Shelf unten angeordnet). Aufpassen: Die meisten Modelle können kein wirkliches PFL (Pre Fader Listening), sondern der Kanalfader muß beim Einpegeln auf 0dB stehen und der Kanal darf nicht gemutet sein. Schwachsinnig und unpraktisch zugleich, vor allem, wenn man während eines laufenden Gigs doch nochmal nachpegeln oder in einen Kanal reinhören möchte.
Witzige Manuals, die man leider auch braucht, um das Routing zu verstehen :-/
Es gibt noch diverse andere Hersteller – die hier alle aufzuführen, würde aber dann doch deutlich zu umfangreich.
Guten Gewissens abraten kann ich allerdings von der Thomann-Hausmarke (hat mich überhaupt nicht überzeugt, wir hatten so ein Ding mal in einem Proberaum stehen) und von vielen anderen No-Name Produkten. Ebenso wahnsinig kann man mit einigen Modellen von Dynacord werden. Obwohl eigentlich praxisgerecht ausgestattet (z.B. Powermate Serie) und nicht billig, finde ich die Kanal-EQs ziemlich grausam …