Empfehlungen für eine vernünftige Gesangsanlage für Einsteiger
Erhard Schwenk schrieb dazu am 03.10.03 (Quoting von Julian Eichhoff):
>> Meine Band will sich nun endlich eine PA anschaffen, nachdem wir jetzt lange >> genug zu dritt über einen Keyboardverstärker gesungen haben. Doch wissen wir >> nicht so ganz was wir brauchen. Situation: >> >> - Wir spielen Melodic Metal >> - Proberaum ca. 18qm >> - Die PA wird nur für Gesang benötigt (drei Sänger), Instrumente gehen über >> die jeweiligen Amps >> - man sollte mit ihr kleine Auftritte machen können (Kneipen, Clubs...) >> >> Wir haben überhaupt keine Richtwerte wieviel Leistung man braucht bzw. >> welche Lösung sinnvoll ist (PA-Paket von MusicStore, Thomann oder Conrad; PA >> einzeln zusammenkaufen; eBay), von daher wäre ich für Meinungen dankbar. > > Leistung ist nur eine Meßzahl, die in der Praxis relativ wenig > bedeutet bzw. deren Auswirkung von vielen Faktoren abhängig > ist. Worauf es letztlich ankommt, sind andere Faktoren. Ohne Anspruch > auf Vollständigkeit: > > - Klang > - Größe der vernünftig und gleichmäßig beschallbaren Fläche > - Handling > - Robustheit > - Preis > > Ihr kommt daher um ein gezieltes Auswählen nicht rum. > > Definiert zunächst eure Einsatzgebiete genauer. Welche und wie viele > Instrumente/Geräte sollen über die PA laufen, welche nicht? Wie groß > sind die Räume, die Ihr selbst beschallen möchtet? Welchen > Finanziellen Rahmen habt Ihr? > > Dann sucht euch Adressen von mindestens 3 Läden, die das Zeug > verkaufen und wo man hinfahren und testen kann. Redet mit den > Ladenbesitzern und vereinbart, daß Ihr auch mal Eure Gitarre oder Euer > Mikro zum Testen anklemmen dürft. > > Dann fahrt da hin und testet. Fangt mit den Boxen an. Achtet nicht nur > auf möglichst verzerrungsfreien Sound (wenn später was verzerrt werden > soll, dann bitte gezielt und nicht zufällig durch schlechte > Lautsprecher) auch bei hohen Lautstärken, sondern auch auf Reichweite, > breites Klangspektrum (klingt auch die Triangel laut noch sauber? Was > machen die Bässe?). Vergeßt erstmal alle Meßwerte, benutzt Eure > Ohren. Und denkt dran, daß Ihr die Dinger auch schleppen und bezahlen > müßt :-) > > Vorsicht: die akustischen Verhältnisse in Boxen-Verkaufsräumen sind > wegen der vielen rumhängenden Lautsprecher alles andere als gut zum > testen. Nehmt deshalb wenn möglich zwei oder drei als brauchbar > erscheinende Boxenpaare samt einem passenden Verstärker und Mischpult > mal leihweise mit und testet die im Probenraum und in nem Saal, der > Euren Gigs entspricht. Oder zur Not im Freien. Gute Händler machen da > normalerweise mit, schlechte sollte man meiden. > > Werft ne CD ein, die Eurer Musik entspricht und ein möglichst breites > Klangspektrum bei möglichst sauberer Aufnahme bietet. Lauft dann ein > bißchen rum und prüft, wie sich der Klang in verschiedenen Richtungen > und Entfernungen verhält. Eine scharfe Richtwirkung der Boxen ist > nützlich, wenn man definierte Bereiche ausschallen und Rückkopplungen > vermeiden will - schaut also auch mal, was hinter den Dingern so zu > hören ist. Dreht ein bißchen am Equalizer des mitgeliehenen Pults > > Habt Ihr euch für einen Satz Boxen entschieden, ist der Verstärker > dran. Der muß in erster Linie genug Leistung (ein bißchen mehr als die > Lautsprecher, das schont die Hochtöner!) und den passenden > Dämpfungsfaktor haben. Das meiste, was als echte PA-Endstufe verkauft > wird, ist ausreichend robust und klanglich brauchbar - achtet aber > trotzdem darauf, daß wenigstens die rudimentären Schutzschaltungen > vorhanden sind und das Ding keine Verzerrungen produziert. > > Wenn das Budget knapp ist, sollte man sich auch Powermixer > ansehen. Ansonsten halt zum Verstärker noch ein Mischpult dazu, falls > noch nicht vorhanden. > > Dabei würde ich um Billigstmaterial wie Behringer einen großen Bogen > machen - deren Effekte sind ganz ok, die Mixer haben nach meiner > Erfahrung nen etwas zu quakenden Sound, schwache Equalizier, oft > eingebaute Rauschgeneratoren und ne recht wackelige Verarbeitung. Wenn > das Budget nix besseres hergibt, kauft euch bevor Ihr zu Behringer > greift deshalb lieber was gutes gebrauchtes - Mackie, > Spirit/Soundcraft oder auch die leider nicht mehr produzierten > Studiomaster-Teile sind z.B. brauchbar und auch gebraucht noch > bezahlbar zu haben. > > Schließlich braucht Ihr natürlich u.U. noch Mikros - das ist ein > heißes Kapitel für sich, sprengt hier den Rahmen - sowie Verpackung > für das Ganze und die Kabelage. Das kostet nochmal richtig Geld, nicht > unterschätzen. Wenn Ihr nen Tonmann habt, der etwas weg von der Bühne > sitzt, dann empfiehlt sich evtl. auch noch die Anschaffung eines > Multicore, das spart viel Streß mit den ganzen Kabeln. > > Für weitere Gelegenheiten kann es auch nicht schaden, noch ein > Aufnahmegerät (Minidisc, CD-Recorder oder dergleichen) sowie einen > einfachen CD-Player mit ins Rack zu schrauben. Braucht man eigentlich > immer, und sei es nur zum Abhören der Proberaumaufnahmen. > > Ach ja, noch was: > Vergeßt bei Verstärkern und Boxen gleich von Vorne herein jegliche > Versuche mit HiFi-Equipment. Das Zeug ist einfach zu schwachbrüstig > und überhaupt nicht für den PA-Betrieb geeignet. HiFi-Boxen haben kaum > Reichweite und meist einen recht schlechten Wirkungsgrad, > HiFi-Verstärkern fehlt es in der Regel deutlich an Dauerbelastbarkeit > und Dämpfungsfaktor. Laßt es einfach. > > Zur Verdeutlichung ein Vergleich: > Mein etwas älterer HiFi-Verstärker Technics SU-VX820 bringt zwar fürs > Wohnzimmer ordentlich Leistung, hat aber einen Dämpfungsfaktor laut > Hersteller von 80. Unsere PA-Endstufe PSE900 (2x450 Watt an 4 Ohm, > 2x270 Watt an 8 Ohm, robust, nicht teuer) liegt laut Datenblatt so bei > 600. > > Hingegen kann man bei CD-Playern, Kassettendecks oder auch > Minidisc-Recordern durchaus nen preiswerten HiFi-Baustein ins Rack > schrauben, wenn die Ansprüche nicht allzu hoch sind. Da macht man > relativ wenig kaputt.