Kann man „vom Blatt spielen“ lernen bzw. üben?
Erhard Schwenk schrieb dazu am 02.09.02:
> Naja, etwas Arbeit gehört schon dazu. > > Was ich bisher beobachten konnte ist, daß Leute, die kaum oder gar nicht > vom Blatt spielen können, Noten als einzelne Töne zu lesen und zu > reproduzieren versuchen. Das wäre etwa so, als ob man beim Vorlesen > eines Buches jedes Wort laut buchstabieren würde... ;) > > Man braucht IMHO 2 Voraussetzungen, um relativ leicht "vom Blatt" > spielen zu können: > > 1) Die Beherrschung der Grundtechniken am Instrument. Auf > Tasteninstrumenten sind das z.B. "Standard-Fingersätze" wie > Repetitionen, Tonleitern aller Art, Kadenzen, aufgelöste Akkorde, > geschichtete Terzen, Akkord-Umkehrungen usw. Man nehme ein > Standard-Etüdenheft seiner Wahl von Carl Czerny und arbeite sich durch > :-). > > 2) Beim Notenlesen den Schritt von der Wahrnehmung einzelner Töne zur > Wahrnehmung von Elementen zu machen - so, wie man beim Lesen in einem > Buch ja Wörter und Sätze bewußt wahrnimmt, nicht einzelne Buchstaben. > Das ist im Wesentlichen wohl eine Fleißaufgabe, für die der Eine mehr, > der andere weniger lang braucht. > > Vom Blatt spielen heißt dann technisch betrachtet die Umsetzung von 2) > in 1). Das heißt, größere Elemente (z.B. Akkorde) auf dem Notenblatt > erkennen und auf dem instrument als solche mehr oder weniger bewußt > umsetzen. > > Je größer die Zusammenhänge sind, die man mit einem Blick begreift, umso > komplexere Sachen kann man zumindest mal technisch vom Blatt spielen. > Ein Ausbildungsziel bei Instrumentalisten ist es, dem Spieler hier einen > "Werkzeugkasten" zu erarbeiten, aus dem er dann je nach Bedarf schöpfen > kann. Dabei wachsen beide Fähigkeiten in der Regel in Abhängigkeit > voneinander, d.H. durch ausführliches Üben von Etüden nach Noten wird > gleichzeitig auch die "Mustererkennung" geschult. > > Natürlich kommt dazu noch ein gewisses Wissen über das Werk, das man > spielt dazu - in welche Stilrichtung gehört es, was sind da grundlegende > Merkmale? Wie lautet der Titel (wird leider allzuoft übersehen!)? Was > soll ausgedrückt werden? Je mehr Informationen diesbezüglich man hat > oder wahrnimmt und umsetzen kann, umso besser hört sich das Ganze nacher > an.