Welche Tasteninstrumente gibt es überhaupt und wo sind die Unterschiede?
Auch wenn viele Instrumente Tasten haben, ist ihre Art der Tonerzeugung doch sehr sehr unterschiedlich. Wenn jemand Klavier spielen kann, heißt das daher noch lange nicht, daß er mit einem Akkordeon oder einer Wurlitzerorgel zurechtkommt!
Matthias Warkus hat eine kurze Übersicht über die wichtigsten Instrumente verfasst:
(Anmerkung: Mit „Pedal“ sind Pedale zur Tonerzeugung wie etwa bei der Hammond gemeint, nicht etwa Pedale wie beim Klavier.)
Cembalo:
- Tonerzeugung: Anreißen von Saiten durch Federkiele
- Anschlag: leicht, mit Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: nein
- Aftertouch: nein
- mehrmanualig: oft
- Pedal: fast nie
- selber stimmen: muss sein
Virginal
- wie Cembalo, nur mit quer verlaufenden Saiten, rechteckige Bauweise, einmanualig
Spinett
- wie Virginal, üblicherweise trapezförmige Bauweise
Clavichord
- Tonerzeugung: Anschlagen und gleichzeitiges Verkürzen von Einzelsaiten durch Tangenten
- Anschlag: sehr leicht, ohne Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: ja
- Aftertouch: ja
- mehrmanualig: selten
- Pedal: fast nie
- selber stimmen: muss sein
Klavier (Pianoforte)
- Tonerzeugung: Anschlagen von Saitenchören durch filzbezogene Hämmer
- Anschlag: relativ schwer, mechanikabhängig, ohne Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: ja
- Aftertouch: nein
- mehrmanualig: nein
- Pedal: nein
- selber stimmen: will man nicht wirklich
Flügel
- Klavier mit horizontalen Saiten, Hämmer fallen nach Loslassen durch die Macht der Schwerkraft wieder in die Ausgangslage
(Wand)Klavier (Pianino, „upright piano“)
- Klavier mit vertikalen Saiten, Hämmer werden mangels waagerecht wirkender Schwerkraft durch Federzug rückgeholt; Mechanik daher komplexer
Celesta
- Tonerzeugung: Anschlagen von Metallstäben durch Hämmer
- Anschlag: ?
- Anschlagsdynamik: ja
- Aftertouch: nein
- mehrmanualig: nein
- Pedal: nein
- selber stimmen: geht nicht
Fender-Rhodes E-Piano
- Tonerzeugung: Anschlagen von Metallstäben vor Tonabnehmern durch eine vereinfachte Klaviermechanik, Hämmer haben Gummiköpfe, elektrisch verstärkt, sonst wie Klavier
- selber stimmen: geht, ist einfach
Wurlitzer E-Piano
- wie Fender-Rhodes, mit komplexerer Klaviermechanik und Metallzungen statt -stäben
- selber stimmen: geht, ist etwas fitzelig
Orgel
- Tonerzeugung: ventilgesteuertes Anblasen von null oder mehr Labial- oder Lingualpfeifen pro Taste, abhängig von der Registrierung
- Anschlag: altersabhängig, bei guten (mechanischen) Trakturen mit Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: wenn, dann nur gemogelt (Wurlitzer Double Touch)
- Aftertouch: nein
- mehrmanualig: fast immer
- Pedal: fast immer
- selber stimmen: Lingualpfeifen ja, Labiale nein
Hammond-Orgel
- Tonerzeugung: schiebergeregeltes Abgreifen verschiedener Sinustöne von einer Reihe aus 91 elektromechanischen Tongeneratoren, elektrisch verstärkt
- Anschlag: leicht, mit Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: nein
- Aftertouch: ja („Percussion“-Effekt)
- zweimanualig: meist
- Pedal: meist (kurzes oder Vollpedal)
- selber stimmen: niemand kann eine Hammond stimmen
Combo-Orgel
- Tonerzeugung: irgendwelche Transistorschaltkreise in meist kreischbuntem Gehäuse, schiebergeregelte oder per Schalter wählbare Klangfarben
- Anschlag: je nach Fabrikat
- Anschlagsdynamik: nein
- Aftertouch: nein
- zweimanualig: meist
- Pedal: meist (so gut wie immer kurzes Pedal)
- selber stimmen: je nach Fabrikat
Hohner Clavinet
- Tonerzeugung: Anschlagen und gleichzeitiges Verkürzen einer Saite mit Tonabnehmern durch Moosgummitangenten, elektrisch verstärkt
- Anschlag: leicht, ohne Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: ja
- Aftertouch: nicht wirklich
- mehrmanualig: nein
- Pedal: nein
- selber stimmen: geht, ist unkritisch
Akkordeon
- Tonerzeugung durch sehr kurze, durchschlagende Zungen, Winderzeugung durch den Balg; mehrere Chöre (Register) möglich
- Anschlag: leicht, ohne Druckpunkt
- Anschlagsdynamik: nein
- Aftertouch: nein
- mehrmanualig: ja (meist zweimanualig)
- Pedal: nein
- selber stimmen: nicht empfehlenswert
Melodica
- wie Akkordeon, allerdings handlicher, mit geringerem Tonumfang und wird mittels eines Schlauchs angeblasen
- wird de facto nur im Musikunterricht an der Schule eingesetzt
Harmonium
- Akkordeon „in groß“, deutlich mehr Chöre, Balg als Fußtritt; meistens sog. „geteiltes“ Manual
Mellotron
- Tonerzeugung: Ein Rahmen mit Tonbandstreifen, auf denen jeweils ein Klang aufgezeichnet (sozusagen gesampelt) ist, wird von einer motorbetriebenen Rolle an einer Reihe von Leseköpfen vorbeigeführt. Beim Loslassen der Tasten wird der Rahmen durch einen Federzug zurückgeholt.
- Anschlag: ?
- Anschlagsdynamik: ja (?)
- Aftertouch: ja (?)
- mehrmanualig: jein (zwei kurze Manuale nebeneinander)
- Pedal: nein
- selber stimmen: ?
Projectron
- Tonerzeugung: ähnlich wie beim Mellotron, Steuerung und Weiterverarbeitung durch Analogsynthesizer-Bauelemente
Telharmonium
- Tonerzeugung: für jeden Ton jedes Registers ein ca. mannshoher Rotor mit mehreren 'Zahnkränzen', von denen eine Spannung durch Bürsten abgegriffen wird; nicht verstärkt, Wiedergabe durch Telefone oder große Pappschalltrichter
- Anschlag: ?
- Anschlagsdynamik: ja
- Aftertouch: ja
- mehrmanualig: ?
- Pedal: ?
- selber stimmen: keine Witze, bitte
Begleitautomatik vs. Arpeggiator
Eine Begleitautomatik spielt vorgefertigte Begleitmuster ab, wird durch Anschlagen von Akkorden oder sogar bloß einzelnen Tasten auf die jeweiligen Harmonien geschaltet und kann auf Tasterdruck hin Intros, Fill-ins und Endings produzieren.
Weitere (elektronische) Tasteninstrumente siehe unter Keys, Synth & MIDI.