Wenn gar nichts mehr geht: Reif für die Werkstatt?
Vorbemerkung: Die Durchführung unten angeführter Arbeiten muss mit äusserster Vorsicht geschehen. Sollten Probleme auftreten: Finger weg und sofort zum Instrumentenbauer.
Für durch Anwendung untenstehender Tipps eventuell auftretende Schäden übernehme ich keine Haftung.
Viel Ärger kann man sich durch regelmässige Pflege seines Blechblasinstrumentes ersparen. Dellen im Mundstück, im Mundrohr oder in den Zügen sollte man schnellstmöglich vom Fachmann beheben lassen.
Mundstück sitzt fest
- Gründe: Mundstückschaft unrund, Delle im Mundstückschaft, Delle in der Mundstückzwinge, Mundstückzwinge bzw. Mundstückschaft verschmutzt
- Abhilfe: Unter kaltes Wasser halten und dann vorsichtig lösen. Sollte dies nicht funktionieren keinesfalls eine Zange oder ähnliches Werkzeug einsetzen. Dies kann erhebliche Beschädigung am Instrument zur Folge haben. Der Instrumentenbauer benutzt für diese Fälle Spezialwerkzeug.
Ventilzug sitzt fest
- Gründe: Delle im Zug, verharztes Fett, Korrosion …
- Abhilfe: Instrument an der entsprechenden Stelle abwechselnd unter kaltes und warmes Wasser halten (bitte nicht zu heiss, da bei lackierten Instrumenten der Lack beschädigt werden könnte), anschliessend ein Tuch durch den Zugbogen, bzw. den Zugring führen und vorsichtig anziehen. Sollte dies nicht helfen gehört das Instrument in die Werkstatt. Hat sich der Zug gelöst sollte man Zug und die zugehörigen Rohre gründlich reinigen. Lässt sich altes Fett nicht rückstandslos entfernen hilft ev. Waschbenzin. Anschliessend einfetten nicht vergessen.
Perinetventil läuft nicht richtig
- Gründe: Altes, verharztes Öl, Ablagerungen am Ventil bzw. an der Ventilbüchse, Korrosion …
- Abhilfe: Ventildeckel lösen, Ventil vorsichtig entnehmen. Altes Öl bzw. Ablagerungen mit einem weichen, fusselfreien Tuch entfernen. Ventilbüchse mit Ventilbürste oder -wischer auswischen. Sollte dies nicht reichen hilft eventuell eine Reinigung des Ventils und der Ventilbüchse mit Waschbenzin. Anschliessend das Ventil ölen und vorsichtig wieder einsetzen. Ist das Ventil danach immer noch nicht voll funktionsfähig muss es ev. neu eingeschliffen werden. Dies ist eine Aufgabe für den Intrumentenbauer.
Lässt sich das Ventil überhaupt nicht ausbauen, sollte man direkt den Instrumentenbauer aufsuchen, da jeder weitere Versuch zu irreparablen Schäden am Ventil führen kann.
Drehventil läuft nicht richtig
- Gründe: siehe oben, zusätzlich: Druckwerk verschmutzt oder trocken, Druckwerkfedern ausgeleiert …
- Abhilfe: Hier gibt es eigentlich nur die Möglichkeit nachzuölen, dazu kann man den Stimmzug des entsprechenden Ventils entfernen und etwas Drehventilöl in die beide Züge tröpfeln.
Sämtliche beweglichen Verbindungen des Druckwerks mit einem speziell für diesen Zweck gedachten Öl behandeln. Alle anderen Arbeiten am Drehventil sollte man unbedingt dem Fachmann überlassen.
Posaunenzug läuft nicht richtig
- Gründe: Altes, verharztes Zugfett, Verschmutzungen im Aussenzug, Delle in Innen- oder Aussenzug, Innen- oder Aussenzugrohre stehen nicht parallel, Korrosion …
- Abhilfe: Da der Posaunenzug äusserst empfindlich ist, sollte man nur versuchen sämtliche Verunreinigungen zu beseitigen. Das Vorgehen wird im Abschnitt „Mein Mundrohr ist so eklig„ dieser FAQ beschrieben. Anschliessend fettet man den Zug wieder ein. Sollte er dann immer noch nicht vernünftig laufen gehört er in die Werkstatt. Ein guter Instrumentenbauer bekommt auch problematische Züge wieder hin.
Keinesfalls sollte man versuchen den Zug selbst „hinzubiegen“. Dies bedeutet oft erhöhten Aufwand für den Instrumentebauer und erhöht ev. die Reparaturkosten.
Wasserloch tropft
- Gründe: Wasserklappenkork bzw. -gummi verschlissen, Wasserklappenfeder ausgeleiert oder gebrochen …
- Abhilfe: Diese Probleme kann man mit etwas handwerklichem Geschick leicht selbst lösen. Die entsprechenden Materialien erhält man beim Instrumentenbauer. Den Kork klebt man ein, das Gummi wird einfach eingedrückt. Zum Wechseln der Wasserklappenfeder wird die Wasserklappe abgeschraubt, die alte Feder entfernt (dabei sollte man sich unbedingt die Lage der Feder merken) und die neue Feder eingesetzt. Der anschliessende Zusammenbau ist, bedingt durch die Federspannung manchmal etwas langwierig.
Im Notfall (keine Ersatzteile zur Hand, kein Instrumentenbauer greifbar) kann man sich kurzfristig mit einem starken Gummiband behelfen, mit dem man die Wasserklappe am hinteren Ende fixiert.
Nach der Reinigung kommt kein gescheiter Ton mehr, bzw. das Instrument ist verstopft
(tritt eigentlich nur bei Perinetventilen auf)
- Gründe: Ventile sind falsch eingesetzt, Ventile sitzen in den falschen Ventilbüchsen, vergessene Mundstückbürste …
- Abhilfe: Ventile noch einmal herausnehmen und in die richtigen Ventilbüchsen einsetzen. Die Ventile sind normalerweise nummeriert. Bei der Trompete bspw. sitzt Ventil 1 direkt am Mundrohr. Die richtige Position des Ventils findet man entweder durch die Ventilaufnahme in den Ventilbüchsen (hier gibt es meist eine weite und eine enge Aufnahme) entsprechend zur Ventilführung am Ventil selbst, oder durch die Zahlen am Ventil. Sie sind normalerweise in Spielhaltung dem Spieler zugewandt.
Zur vergessenen Mundstückbürste sag ich jetzt nur soviel: Es kommt tatsächlich vor :-)