Wie lässt man die Gitarre „kreischen“ oder „in die Öbertöne kippen“?
In erster Linie ist das eine Frage der Anschlagstechnik und keine Frage der Gitarre, der PUs oder des Amps. Wenn zum Plekanschlag noch ein wenig Daumen die Saite dämpft, kommen je nach Anschlagsposition die dazugehörigen Obertöne durch. Diese Technik ist nicht mit den gängigen Flageolett-Tönen z. B. am 5. 7. und 12. Bund zu verwechseln.
Gilbert Gehring erklärt dazu am 14.10.02:
> Du hast so weit ich als Gitarrist weiss 2 Moeglichkeiten das
> "kreischen zu erzeugen". [...]
>
> 1. A.H. (Artificial Harmonic):
>
> Du schlaegst einen Ton an, aber nicht normal, sondern Du musst dazu
> das Plek etwas drehen. Im Uhrzeigersinn - so dass es fast 90Grad zu
> den Saiten steht und streifst/beruehrst danach ganz leicht mit dem
> Daumen die angeschlagene Saite. (eigentlich ziehst Du das Plek mehr
> oder weniger ueber die Saite - damit erzielst Du eine runde Bewegung
> die mit dem beruehren der Saite mit dem Daumen endet). Den besten
> effekt erziehlst Du, wenn du die Saite dabei ca. ueber dem PickUp
> (kann auch kurz davor oder danach sein - Du erhaelst sogar erschieden
> Toene, abhaengig von der Position der rechten Hand - am besten
> ausprobieren) anschlaegst.
>
> 2. N.H. (Natural Harmonic):
>
> Diese Technik ist schon ein bissl schwieriger, zumindest waehrend dem
> spielen. Hier schneidest Du die Oberwellen ab indem Du den Finger
> ganz leicht ueber das Bundstaebchen (oder in die naehe) des zu
> spielenden Tons haelst und dann die Saite ganz normal anschlaegst.
> Somit ensteht ein noch reinerer Ton als bei A.H.
Frank Hucklenbroich bot am 14.10.02 ein paar weitergehende „Kreisch-Tips“:
> 1. Nimm ein möglichst dünnes Plektrum. Halte es ziemlich weit in der
> Hand zwischen Daumen und Zeigefinger, so daß es kaum "herausguckt".
> Dann die einzelne Saite ziemlich kräftig/druckvoll anschlagen, so daß
> Du mit dem Plektrum und gleichzeitig mit dem Daumen die Saite
> berührst. Die Saite wird so angeschlagen und gleich wieder
> abgedämpft, nur der Oberton "schwingt" noch nach. Muß man natürlich
> übern, aber so hat's zumindest bei mir am besten geklappt.
>
> 2. Du brauchst viel Output. Mit einer Strat mit Single Coils wird das
> nur schwierig gehen, besser ist ein Humbucker. Vielleicht dann noch
> ein Kompressor/Sustainer, um das Signal vorzuverstärken, bevor Du
> in den Verzerrer/Amp gehst. Diese "kreischenden" Obertöne sind
> nämlich relativ leise, und Du brauchst ausreichend "Gain", damit noch
> was davon im Verstärker ankommt.
>
> 3. Du kannst auch versuchen, mit Feedback zu arbeiten. Das ist dann
> ein etwas anderer Effekt, bei dem ein langer, singender Ton langsam
> in die Obertöne "umkippt". Zu hören z.B. auf U2's "Bullet the Blue
> Sky". Dazu mußt Du mit der Gitarre möglichst nah vor dem Speaker
> stehen und diesen so weit aufdrehen, daß die Saiten vom Schall der
> Speaker zum schwingen gebracht werden (geht also nicht über
> Kopfhörer). Dann die schwingende Saite vorsichtig abdämpfen, bis nur
> noch der Oberton "kreischt". Versuch mal verschiedene Einstellungen
> am Amp (Mitten lauter oder leiser drehen), wie's am besten klappt.
>
> 4. Für ganz extreme Effekte, schalte ein Wah Wah Pedal zwischen
> Gitarre und Amp (VOR den Verzerrer). Nun kannst Du die Obertöne
> modulieren...
>
> 5. Tja, wie immer: Üben, üben, üben ;-)