Wovon hängt die Stimmstabilität ab und was kann ich gegen übermässiges Verstimmen der Gitarre tun?
Zu den Faktoren der Stimmstabilität schrieb Juergen Boedecker am 04.01.2002:
> fangen wir mal ganz vorn an:
>
> 1. die Mechaniken. Wenn es Locking-Machines sind, ist die Stimmung
> stabiler als bei nicht-Locking-Typen
>
> 2. der Sattel, oder auch Nut genannt. Wenn die Kerbe etwas zu
> klein ist rutscht beim Hoch- oder Runterstimmen die Saite nicht so
> glatt durch. Das hat oft starke Verstimmungen nach Bendings oder
> Tremologebrauch zur Folge. Für Floyd Rose Trems (aus welchem Grund
> auch immer gern mal "Freudlos" genannt) gibt es auch Nuts, in
> denen man die Saiten arretieren kann.
>
> 3. die Saiten selbst. Da bin ich mir nicht sicher. Klingt logisch,
> dass verschiedene Materialien unterschiedlichauf
> Temperaturschwankungen reagieren. Ist aber nur Vermutung
>
> 4. die Tremolomechanik selbst. Je nach Konstruktion (Freudlos,
> Bigsby, Vintitsch und wie sie alle heißen) ist der Grad der
> Verstimmung unterschiedlich
>
> 5. Spielweise
>
> 6. Alter der Saiten. Ganz neue Saiten verstimmen recht schnell.
> Einen Tag sollten sie mindestens drauf sein, bevor es auf die
> Bühne geht.
>
> 7. Holzart und -Qualität. Aber ich denke wir reden über ein
> Instrument und nicht über Möbel :-)
Die Stimmstabilität lässt sich aber mit verschiedene Massnahmen verbessern:
Tremolo
Helmut Rosenhammer schreibt dazu am 26.03.03:
> Man kann das Ding aber mit einem Klötzchen festsetzen, wie bei
> meiner Strat. Dann hat es sich zwar austremoliert, dafür verstimmt
> sich nichts mehr!
Kleine Ergänzung: Als Kompromiss lässt sich beispielsweise bei einer Strat das Tremolo auch nur einseitig festsetzen, indem man zwei bis drei zusätzliche Tremolofedern verbaut. Dadurch wird das Tremolo auch festgesetzt, man kann aber noch in die „Abwärts“-Richtung tremolieren (kleiner Hinweis: dabei ändert sich die Saitenlage und auch die Oktave muss eventuell neu justiert werden).
Mechaniken
Es hilft ungemein, wenn man beim Saitenaufziehen wenig Saitenwicklungen auf den Schaft der Mechanik aufspult. Zusätzlich kann bei vielen Mechaniken über eine Schraube die „Gängigkeit“ der Mechanik reguliert werden, hier kann es helfen, die Schraube einfach etwas anzuziehen, um die Mechaniken „schwergängig“ zu machen.
Sattel
An den Stellen an denen die Saite beweglich über feste Stellen „reibt“ also am Sattel (und an den Niederhaltern, sofern vorhanden), kann ggf. ein Nachfeilen der Sattelkerben helfen. Ein einfaches „Schmieren“ z. B. mit Graphit reicht aber meistens vollkommen aus.
Werner Hammer verfeinert die Schmiermittel-Rezeptur am 26.03.03:
> Um die verstrimmungsneigung etwas zu reduzieren kann man auch
> eine mischung von maschinenöl und graphit auf die stoßstellen
> der mechanik und schlitze im sattel auftragen.
Saiten
Öfters mal neue Saiten aufziehen. Nicht nur neue Saiten verstimmen sich, ab einem gewissen Dehnungs- und Oxidationsgrad der Saiten lässt sich eine Gitarre nicht mehr richtig stimmen.
Werden neue Saiten dann unter Zug aufgespult und kurz etwas überdehnt, dann ist diese Ursache für eine Verstimmungsanfälligkeit nur von sehr kurzer Dauer.